Reinheitsgebot soll Weltkulturerbe werden

Die Deutschen Brauer bemühen sich gerade darum das Deutsche Reinheitsgebot in eine Reihe mit der Zeche Zollverein in Essen und den prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen zu stellen. Das Reinheitsgebot soll Weltkulturerbe werden. 

Aber macht es wirklich Sinn das Reinheitsgebot als Weltkulturerbe zu schützen? Während Massenmedien die Bewerbung als Weltkulturerbe weitesgehend positiv aufnehmen, sehen Bierkenner diese Bewerbung sehr kritisch.

Zum einen sollte man betrachten was aktuell noch vom ursprünglichen Reinheitsgebot übrig geblieben ist. Aus diesem Gebot entstand das vorläufige Biergesetz von 1993. In diesem wird das ursprüngliche Reinheitsgebot stark aufgeweicht und vieles zugelassen, was traditionelle Brauer einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Zum anderen wird der Neid auf Regionen ohne solch strikte Regelung was die Herstellung von Bier anbgelangt immer größer. Denn das Reinheitsgebot sorgt zwar tatsächlich dafür, dass billige Stärkequellen wie Mais nicht verwendet werden dürfen (wie es z.B. amerikanische Industriebrauereien gerne tun), aber es sorgt auch dafür, dass viele andere Zutaten nicht erlaubt sind. Wer sich bereits mit der Biervielfalt abseits des heimischen Marktes beschäftigt hat ist ganz sicher bereits über Biere mit Früchten oder Schokolade gestolpert. Oder über Biere mit Kräutermischungen statt Hopfen.Und die Verwendung dieser Zutaten schadet in der Regel nicht der Qualität des Bieres. Im Gegenteil müssen Brauer ein hohes Maß an Geschick und Erfahrung für solch außergewöhnliche Kreationen aufbringen. Der Preiskampf in deutschen Getränkemärkten verursacht bedeutend schwerwiegendere Schäden sowohl an der Qualität des deutschen Bieres als auch in unserer Bierkultur. Innerhalb der Craft Bier Szene werden daher schon seit längerem die Rufe lauter das vorläufige Biergesetz zu reformieren und den Fokus auf Qualität zu legen, statt die Möglichkeiten der Brauer unnötig einzuschränken.

Auf der anderen Seite ist das Reinheitsgebot eine der ältesten Lebensmittelverordnungen und hat die Bierlandschaft in Deutschland massiv geprägt. Für viele ist es immer noch ein Synonym für herausstehende Bierqualität. Die Anerkennung als Weltkulturerbe bedeutend ja nicht zwingend, dass die deutsche Bierkultur auf diesem Stand stehen bleiben muss. Die Wahrung der Wurzeln ist für eine moderne deutsche Bierkultur sicher genauso wichtig wie die Möglichkeit kreativen Brauern ihren Freiraum zu geben.

Das Deutsche Reinheitsgebot als Weltkulturerbe ist also durchaus umstritten. Wir werden sehen für wie wichtig die UNESCO die Ursprünge unserer Bierkultur hält und wie die deutsche Bierlandschaft darauf reagiert.

Von Till, am 2013-12-02 19:30:48